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In meiner Heimatstadt wird eine neue U- Bahn gebaut. Genauer gesagt die Nord- Süd- Stadtbahn. Übrigens mittlerweile die teuerste und sinnloseste U- Bahn Europas. Eben eine Superlative. Superlativen sind in Köln sehr populär. Was wollte diese Stadt nicht schon alles werden: Kulturhauptstadt, Fußballhauptstadt, Medienhauptstadt, Weltmetropole usw. usw.. Und immer kamen uns andere zuvor. Nun endlich haben wir eine Superlative! Wie schön!
Und sollten Sie sich daran stören, dass wir zurzeit ein wenig negative Medienpräsenz haben, dann lassen Sie sich von einer Kölnerin gesagt sein "Alles halb so schlimm". Natürlich kann bei solch einem Großprojekt immer etwas schief gehen. Und - zugegeben - wir bauen eine U-Bahn fast ohne Material, ohne Bauaufsicht, ohne Verantwortliche und teilweise auch ohne Hirn. Aber ist ein wenig Pfusch am Bau nicht vollkommen normal? Auch Materialschwund ist bei Großbaustellen keine Seltenheit. Und Verantwortung - ich bitte Sie - ist doch vollkommen aus der Mode. Außerdem werden im Tiefbau starke Arme benötigt, wer baut schon mit Hirn. Nein, nein der Bau unserer superlativen U-Bahn lief von Anfang an normal.
Wenn ich zurückdenke mit welch beeindruckender Sicherheit man in der Kölner Südstadt aber auch jede Versorgungsleitung gekappt hat. Ja, teilweise musste die Wasserversorgung per Tankwagen gesichert werden. So etwas muss man erstmal hinkriegen. Das man die Gruft vom heiligen St. Johann Baptist im Eifer des Bohrens übersehen hat und sich der Turm der dazugehörenden Kirche dann etwas neigte, zeigt doch nur mit welchem Elan die Arbeiter ihre Tätigkeit ausüben. Und die Tatsache, dass die unterirdische Sprengung am Kölner Chlodwigplatz ohne Vorwarnung zwei Stunden vor der geplanten Zeit stattfand, während oben ein munteres Gewusel von Menschen und Fahrzeugen war, zeugt nur von Effizienz. Wissen Sie wie teuer zwei Arbeitsstunden sind? Wo der Sprengmeister doch schon früher bereit war. Na also! Nicht der Rede wert.
Nun ja, die Sache mit dem Stadtarchiv ist dumm gelaufen. Aber sicher kennen auch Sie das schöne Spiel "Städte versenken". Eine Woche vorher hätten an dieser Stelle tausende Menschen am Rosenmontagszug gestanden. Ich glaube man könnte hier auch von Glück im Unglück sprechen. Das verschiedene Gebäude dieser Stadt Risse an den Wänden aufweisen, sich selbst unser altehrwürdiges Rathaus in unmittelbarer Nähe der Baustelle etwas gesenkt hat, hat selbstverständlich nichts mit dem U- Bahnbau zu tun. Das haben fachkundige Sachverständige festgestellt. Überhaupt gibt es immer wieder Sachverständige und Gutachter die uns Kölnern bestätigen, dieses Bauwerk ist sicher. Also können wir voller Vertrauen ruhig schlafen. Die Musikqualität in unserer Philharmonie ist künftig sogar besser. Man hat bei Rütteltests festgestellt, dass nach Fertigstellung der Strecke am U- Bahnhof "Breslauer Platz" ein- und ausfahrende Züge herrliche Vibrationen erzeugen. Wahrscheinlich können auf diese Art Percussiongeräusche in die klassischen Konzerte integriert werden. Musikalisch neue Wege werden beschritten werden! Nun sind zuletzt einem Polier und einigen Arbeitern ein paar unwesentliche Eisenbügel abhanden gekommen - etwa 80% also wirklich nicht viel-, die zufällig von einem Schrotthändler gefunden wurden. Abhanden-gefunden-verschwunden. Wer wird denn da gleich von krimineller Energie ausgehen. Teilweise wurde auch ein bisschen wenig Beton verarbeitet, besonders an tragenden Teilen. Wie praktisch, dann können diese tragenden Betonteile schon mal nicht unter der Last zusammenbrechen. Ein Prüfstatiker der KVB hat zudem festgestellt, dass die Standfestigkeit des Bauwerks "Heumarkt" nur beim aktuellen Pegelstand des Rheins gegeben ist. Das reicht schließlich auch. Wer kommt schon auf die blöde Idee, dass eine U- Bahn- Haltestelle in unmittelbarer Wassernähe einem höheren Hochwasserpegel standhalten sollte. Aber man hat uns wieder glaubhaft versichert das mache nichts, wird halt ausgebessert. Und ich frage Sie, warum muss für jede Wand ein eigenes Vermessungsprotokoll angefertigt werde, wo doch kopieren viel schneller geht? Nun wird gerade wieder alles geprüft. Ist ja klar, es droht ein wenig Hochwasser und man will jetzt doch keine U-Boot- Bahn. Obwohl - das könnte ja auch ganz hübsch sein so mittendrin im Rheinaquarium und wäre dann eine neue Superlative. Nicht geprüft werden übrigens die Tunnelröhren. Da ist wohl nichts weggekommen. Außerdem sind diese Röhren ja auch von einem in aller Welt anerkannten Unternehmen gebaut worden, dessen Namen man uns erst gar nicht nennt. So berühmt ist dieses Unternehmen!
Sollten Sie also weitere negative Nachrichten über den U- Bahn- Bau in Köln lesen, hören oder sehen. Alles halb so wild. Dieser Bau verläuft vollkommen normal und die paar Millionen Mehrkosten tragen wir Kölner gerne. Wir lieben nämlich unsere Stadt - jawoll! Sorgen hätte ich mir nur gemacht, wenn die drei überdimensionalen Bohrköpfe, die sich durch die römische Unterwelt bohren nicht von Kardinal Meisner höchstselbst römisch- katholisch auf die Namen "Rosa", "Tosca" und "Carmen" getauft worden wären. Nicht auszudenken, was mit heidnischen Bohrköpfen alles hätte passieren können. Aber so...."et hät doch noch immer jot jejange" (Es ist noch immer gut gegangen)
In diesem Sinne erwarten wir mit Spannung die Fertigstellung -in 5 bis 10 Jahren- der neuen Kölner Nord- Süd-Stadtbahn. Die KVB (Kölner Verkehrs Behinderung) hält für die Fahrgäste schon die neue Abenteuer- Fahrkarte im Abo bereit.
©MonikaBlankenberg17.02.2010
Übrigens: Kardinal Meisner wurde seit fast einer Woche nicht mehr gesehen. Jetzt weiß ich warum. Er baut eine Arche! ©MonikaBlankenberg26.02.2010
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